Sünden am Rhein
So ganz allmählich reicht es uns, was Politikmehrheit und Stadtverwaltung sich mit unserem alten Vater Rhein und seinem schönen Uferkleid herausnehmen:
Man kann sich ja darüber streiten, was eigentlich wichtiger sei: die Rheinromantik und eine wohltuende Erholungslandschaft oder der ausreichende Überschwemmungsraum für die künftig noch mehr zunehmenden Hochwassergefahren; so viel steht aber wohl fest, daß der Rhein mit seinen Uferzonen einen unwiederbringlichen Reichtum darstellt, mit dem man äußerst sorgfältig umgehen muß!
Was aber macht Königswinter? Es unterschreibt eine Charta zum Schutz des Rheins und verrät sie sogleich aus Egoismus!
Mit Zustimmung auch der grün angehauchten Politiker sollen nämlich die letzten freien Erholungsflächen zwischen der Altstadt und Niederdollendorf weitgehend für Luxusbauten weggegeben werden: rund 260 Wohnungen der gehobenen Klasse sollen gebaut werden dürfen – natürlich in der heute üblichen häßlichen Kastenbauweise aus Beton + Glas. Entsprechend viele Autos bringen sie mit sich sowie den Anspruch auf die teuer bezahlte Rheinsicht!
Die Freiheit von jung und alt, sich hier ohne Reglementierung mit Kinderwagen, Hund oder Fahrrad zu ergehen, fällt fort; stattdessen noch mehr Stadt und Beton sowie Vertreibung der Vögel, Kleintiere, Füchse und Kaninchen!
Wenn aber das Hochwasser kommt, wird die riesige Tiefgarage von fast 200 x 40 Metern Ausmaß eben geflutet, und die Feuerwehr kann sehen, wie sie klar kommt.
Etwas weiter südlich, doch immer noch im Landschafts- und Hochwasserschutzgebiet, soll auch das superteure Hallenbad gebaut werden, das mit seiner Betonwanne Grundwasserraum sowie Hochwasserrückzugsflächen verbaut. Seine Parkplätze werden weitere Flächen versiegeln.
Zugleich werden entlang der alten, reizvollen Villenbebauung immer mehr der Luxusmehrfamilienhäuser genehmigt, täuschend „Stadtvillen“ genannt. Das geht solange, bis unser Auge nirgendwo mehr gerne verweilt.
Schon den Berliner Platz, benannt nach dem einst dort stehenden Hotel 'Berliner Hof'', hat man für das Sea-Life-Aquarium entfernt. (Die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen sind übrigens am Sumpfweg ausgewiesen, wo sie nun wiederum bedroht sind.)
Ersatz für den fehlenden öffentlichen Park in der Altstadt soll der umzäunte Garten der 'Villa Leonhart' sein, jenes ständig scheiternden Regionale-Luxusprojektes der stadteigenen WWG (Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft), deren Wirtschaftsförderung sich offenbar auf die drei „Wirtschaften“ 'Villa Leonhart', 'Drachenfels-Eventlocation' und bald auch 'Alter Zoll' (in Oberpleis) beschränkt.
Verräterisch ist die Werbeansicht der Wohnklötze Richtung Rhein: Der geschützte Uferbewuchs ist verschwunden!
Doch zurück zu den Rheinuferplanungen im Norden der Altstadt und Süden Niederdollendorfs. Wir billigen die Verbauung der letzten siedlungsnahen Freiräume auch aus anderen Gründen partout nicht: Die grünen Altauen des Rheins (der Bebauungsplan 20/3 S hat die sprechende Zusatzbezeichnung „am Rheinufer/am Werth“) sind nicht nur für uns Einheimische von hohem Wert, sondern ihre ästhetische Wirkung ist auch für den Rheintourismus sehr bedeutsam!
Zugleich stellen die naturnahen Uferlandschaften wichtige Frischluftkanäle für die landeinwärts liegenden Industriegebiete (Lemmerz, Didier, Dinova, WWK) sowie für die Wohngebiete im Tal dar. Bei den hier in der Regel vorherrschenden Westwinden bilden sich leicht Inversionslagen über dem von Süden nach Norden verlaufenden Rheintal, was schlechte Luftverhältnisse und Atemwegsbelastungen mit sich bringt.
Selbst die Grundwasserströmungen werden durch weitere rheinnahe Bebauung verschlechtert.
Insgesamt zeigen die Hochwasserrisiko-Karten, daß bis hinter der Bahnstrecke (Friedenstraße) Hochwasser auftreten kann. Während Köln bereits Hochwassersituationen berücksichtigt, die statistisch nur alle 200 Jahre auftreten (zweihundertjährliches HW), verbaut Königswinter noch Zonen des häufigen und mittleren Hochwassers; es wird also Stauraum verplant, den der Hochwasser führende Rhein immer öfter benötigt! Dabei gilt doch allgemein die Rücksichtsregel: Jeder Stauraum, den ich oberhalb nehme, wirkt sich unterhalb, also bei den Rheinnachbarn, um so schlimmer aus! Gegenseitige Rücksicht ist gefragt, nicht Raffgier!
V.i.S.d.P.: Ursula Brungs, Königswinter
