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Nachruf auf eine Friedenstifterin

Christa Pfeiffer
Christa Pfeiffer

Kürzlich erreichte mich die Nachricht, dass die Genossin Christa Pfeiffer am Abend des 03.04.2019 im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Deshalb möchte ich ihr zu Ehren ein paar meiner Erinnerungen mit den Leser*innen teilen.

Gerne erinnere ich mich zurück, als ich mich vor einem Jahr mit der DFG-VK-Gruppe Bonn/Rhein-Sieg traf, um den damaligen Vorsitzenden der japanischen Gesellschaft der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki kennenzulernen. Er sollte am Folgetag einen Vortrag an einer Bonner Schule halten, um auch nachfolgende Generationen über die Gefahren dieser Waffengattung zu informieren.

Eigentlich sollten nur Mitglieder der Gruppe den Vorsitzenden und seine Begleiter*innen in Empfang nehmen – Christa arrangierte für mich eine Ausnahme. Während die anderen also den Japaner*innen die Stadt zeigten, setzten Christa und ich uns ins japanische Restaurant, wo wir uns am Abend für ein gemeinsames Essen verabredet hatten. Dies war der Moment, an dem mir Christa die Motivation für ihre über 50-jährige Mitgliedschaft in der DFG-VK erklärte.

Mein Vater hat damals Flugschriften mit dem Inhalt „Hitler bedeutet Krieg“ gedruckt

Christa, am 15.11.1935 geboren, erzählte mir voller Stolz von ihrem Vater, welcher schon vor der Machtübertragung an die Nazis Flugschriften verteilt hatte. Auf diesen stand damals was später traurige Realität werden sollte: „Hitler bedeutet Krieg.“

Für Kriegsgegner*innen wie ihn wurde nach 1933 der politische Spielraum natürlich wesentlich enger, bis er sich durch die Geburt seiner Tochter entschied, seine politische Aktivitäten ganz aufzugeben. Es nützte ihm nicht viel: Er starb 1944 in der Normandie.

Für meine politische Weiterentwicklung sollte dies ein entscheidener Wendepunkt sein. Vertrat ich vorher die Analyse einer Verdammung alles Deutschen, welches erst Hitler und die Verbrechen des deutschen Faschismus möglich machte, so wurde mir in diesem Moment bewusst, dass die Grenzen zwischen Täter und Opfer schwimmend sein konnten und die Dinge nicht so einfach sind, wie sie mir in den frühen Jahren meines politischen Engagements erschienen.

Für Christa, welche nur schemenhafte Erinnerungen an ihren Vater hatte, war die Sache in dialektischer Schärfe klar: „So wie mein Vater damals seine Aktivitäten für mich aufgegeben hatte, so setze ich bis heute seine Arbeit fort.“ Eine Schärfe, welche mich heute noch beeindruckt.

Professor Kunishis Traum war es, das Ende der Atomwaffen erleben zu dürfen

Schnell wechselte das Thema auf unsere japanischen Gäste. Einer der ehemaligen Vorsitzenden der japanischen Gesellschaft für die Opfer der Atombombenabwürfe sei Professor Kunishi gewesen, erzählte mir Christa. Er war Professor für Germanistik und 6 Jahre alt, als die Atombombe auf seine Heimatstadt fiel. Diese Erfahrung sollte ihn ein Leben lang prägen und ihn zu Vortragsreisen rund um die Welt veranlassen.

Während sie mir von Professor Kunishi berichtete, holte sie ein Foto hervor. Darauf war sie in jüngeren Jahren neben einem Asiaten zu sehen. „Er war ein großer Fan von Goethe“, erklärte sie mir und er hätte ein Leben lang davon geträumt, miterleben zu dürfen, wie die Atomwaffen verboten und vernichtet werden. Die Erfüllung dieses Traums war ihm leider nicht vergönnt. Denn noch immer bedrohen Atomwaffen weltweit die Fortexistenz der Menschheit.

„Der Kampf geht weiter“

Ihre vielen Kontakte pflegte Christa auch in persönlichen Gesprächen. So erzählte sie mir auch von einem Bekannten, mit dem sie den Abschiedsgruß „Der Kampf geht weiter“ pflegte. So wie Christa nunmal war, hat sie dieses Ritual auch bis zum Schluss beibehalten. Auch an seinem Grab grüßte sie mit geballter Faust: „Der Kampf geht weiter“.

In diesem Sinne möchte ich auch Christa zurufen: „Der Kampf für den Frieden geht weiter!“