In Vorbereitung des 66. Jahrestages der Zerstörung Dresdens haben die Neonazis umfangreiche Aktionen gestartet. Dazu gehören die Bildung eines "Aktionsbündnisses gegen das Vergessen", die Herstellung einer DVD, Filmabende, Mahnwachen, die Aufstellung von Holzkreuzen und das Anzünden von Lichtern auf den Elbwiesen, theatralische Aufrufe sowie juristische Attacken gegen Linkspolitiker und alle Unterstützer der Antinaziproteste.
Aus den Niederlagen bei ihren Aufmärschen des Vorjahres in Dresden und an anderen Orten zogen NPD und JLO (Junge Landsmannschaft Ostdeutschland) Schlussfolgerungen zur Verwirrung der Gegenkräfte und der Behörden, vor allem zur Zersplitterung der antifaschistischen Aktionen.
Zur Zeit erscheinen folgende Termine:
Aus der Antwort der sächsischen Staatsregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion geht überdies hervor, dass auch für den 12. Februar von der JLO eine Demo-Anmeldung (mit bis zu 2000 Teilnehmern) vorliegen soll. Aus den anderen Quellen ist das nicht bestätigt.
Insgesamt ist gegen keine der angemeldeten Nazi-Aktionen ein Verbot erlassen worden. Aus der widersprüchlichen Haltung der OB, die für den 19. Februar nichts plant und nur allgemein zu friedlichen Aktionen aufruft und dem Verhalten der Stadtchefs von CDU und FDP, die sich gegen die Blockaden von "Demotouristen" wenden und sich nur an die Synagoge stellen wollen, ist zu schließen, dass das bürgerlicheDresden nur Symbolpolitik betreiben, den Neonazis freie Bahn erlauben und keinen ernsthaften Widerstand entgegensetzen will.
- Bundesweit läuft inzwischen die Mobilisierung zu Massenblockaden am 19. Februar auf Hochtouren. Aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich in der vorigen Woche bereits 140 Busse angemeldet, weitere kommen aus dem europäischen Ausland. In einem Clip auf You Tube kündigen 18 Mitglieder des Bundestages - unter ihnen Wolfgang Thierse, Petra Pau und Hans-Christian Ströbele - ihre Teilnahme an den Blockaden gegen den Nazi-Aufmarsch in Dresden an und rufen zur breiten Beteiligung auf.
- Das Bündnis "Dresden nazifrei!" ruft dazu auf, auch am 13. Februar nicht die Neonazis agieren zu lassen. Unter dem Motto "Nicht lange Fackeln - Naziaufmarsch entgegentreten" soll mit verschiedenen dezentralen und kreativen Aktionen den Neonazis keine Ruhe gelassen werden. Sie beginnen um 11.00 Uhr am Comeniusplatz mit einem Spaziergang auf den "Täterspuren", greifen in den Geschichtsdiskurs ein, protestieren gegen das geschichtsrevisionistische Gedenken der Nazis, gegen die Verdrehung von Tätern und Opfern. Der Gang endet am Hauptbahnhof mit einer Kundgebung und weiteren Aktionen in der Nähe. In den vergangenen Tagen wurde das Bündnis von Künstlern mit interessanten Veranstaltungen unterstützt.
- Am 9. Februar lädt das "Zeit-Forum" (eine Reihe der Wochenzeitung "Die Zeit" und des Dresdener Staatsschauspiels) ins Schauspielhaus ein zur Debatte um den Widerstand gegen Neonazi-Aufmärsche in Deutschland (Welche Form des Widerstandes ist angemessen und legitim?). Teilnehmer werden u.a. die Oberbürgermeisterin, der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum, der Schriftsteller Ingo Schulze und Christian Demuth vom Verein Bürger-Courage sein.
Skandalöse Gerichtsurteile und provokatorische NPD-Anzeigen stehen in engem Zusammenhang, wenn es darum geht, die Aktionen der Nazigegner und vor allem ihre erfolgreichen Blockaden zu kriminalisieren. In unserer Ausgabe 12/2010 haben wir bereits über die Urteile des OVG Bautzen, des Bayerischen Verwaltungsgerichts und des Verwaltungsgerichts Gießen berichtet. Nun setzt sich diese Reihe fort.
Mit den Gerichtsurteilen gerät die Polizei in eine schwierige Situation. "Die Polizei steht zwischen Baum und Borke" urteilt Bernhard Witthaupt von der Gewerkschaft der Polizei. Und es täte ihm in der Seele leid, wenn sie Neonazi-Demonstrationen zukünftig mit allen Mitteln schützen müsse. Dresdens Polizeichef Dieter Hanitsch kündigte für den 13. und 19. Februar Großeinsätze an. Strategie der Polizei sei es, die gegnerischen Lager konsequent auf Abstand zu halten (Trennen, Verhindern von Blockaden, Verfolgen von Straftätern). Aufgabe der Polizei sei es, die Versammlungen aller Demonstranten zu ermöglichen – ein Grundrecht. Wer jedoch Demos anderer blockiere, müsse mit Strafverfolgung rechnen. (Sächsische Zeitung2. Februar 2011, S.13).
Verantwortlich für die Zusammenstellung: Dr. Roland Bach